Interdisziplinäres Schmerzzentrum

Im Schmerzzentrum am Hospital zum Heiligen Geist arbeiten die Klinik für Anästhesiologie, Operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, die Klinik und Tagesklinik für Psychosomatik sowie eine von der Kassenärztlichen Vereinigung zertifizierte schmerztherapeutische Einrichtung interdisziplinär zusammen.

Ärztliche Leitung

Chefarzt

Dr. med. Gerd Neidhart

Chefarzt

Dr. med. Wolfgang Merkle

Stationäre Behandlung für chronische Schmerzpatienten

Interdisziplinäre Multimodale Schmerztherapie (IMST)

Die Interdisziplinäre Multimodale Schmerztherapie am Hospital zum Heiligen Geist ist eine einzigartige Behandlungseinheit für chronische Schmerzpatienten in Frankfurt. Es handelt sich um ein stationäres Angebot, das eine enge Vernetzung von algesiologischer und psychosomatischer Medizin mit Physiotherapie und Krankenpflege umfasst.

Behandlungsmöglichkeiten

Akute Schmerzen sind in der Regel durch medizinische und physikalische Maßnahmen gut therapierbar. Nicht selten heilt der Körper sich aber auch selbst. Patienten mit chronischen Schmerzen sollten entsprechend den vielfältigen Ursachen und verstärkenden oder aufrechterhaltenden Einflüssen mit einer Kombination sich ergänzender Verfahren behandelt werden, die sowohl körperliche, seelische als auch soziale und wenn nötige auch berufliche Aspekte umfassen.

Da ambulante Therapiemöglichkeiten bei Patienten mit chronischen Schmerzzuständen oft nicht ausreichend schmerzlindernd sind, gibt es bei uns seit 2006 die Möglichkeit einer dreiwöchigen stationären interdisziplinären multimodalen Schmerzbehandlung (IMST).

Diese umfasst im Einzelnen:

  • Diagnosestellung und Behandlung durch ein interdisziplinäres Team (Anästhesie, Psychosomatik, Physiotherapie u.a.)
  • Patientenschulung
  • Kritische Prüfung medizinischer Eingriffe und medikamentöser Dosierung
  • Aktivierende Bewegungstherapie
  • Entspannungstraining (z.B. PMR, Biofeedback)
  • Kunsttherapie
  • Psychosomatische Einzel- und Gruppentherapie
  • Behandlung von acht Patienten als feste Gruppe über einen Zeitraum von drei Wochen
  • Ziel der interdisziplinären, multimodalen Schmerztherapie: Verbesserung der Lebensqualität, Reduktion von Schmerzen und schmerzbedingter Behinderung und soziale Reintegration

 

Chronische Schmerzerkrankungen

Viele Patienten leiden unter chronischen Schmerzen. Kopf- und Rückenschmerzen sind hierbei die häufigsten Beschwerden. Man spricht von chronischem Schmerz, wenn die Schmerzen wiederkehrend oder anhaltend über einen Zeitraum über mindestens drei bis sechs Monaten auftreten und somit zu einem bestimmenden Teil unseres Lebens werden. Chronische Schmerzen führen zu deutlichen Beeinträchtigungen in allen Lebensbereichen. Vor allem das mögliche Fehlen einer körperlichen Schädigung wird von den Patienten als sehr belastend empfunden: „Ich bilde mir den Schmerz doch nicht ein.“

Bei chronischen Schmerzen spielen neben körperlichen Faktoren immer auch seelische und soziale Faktoren eine wichtige Rolle. Alle Faktoren wirken auf die Empfindung von Schmerzen und werden wiederum von dieser Schmerzempfindung beeinflusst. So können schmerzhafte körperliche oder seelische Erfahrungen aus der früheren Lebensgeschichte ebenso eine Rolle spielen, wie Überzeugungen und Einstellungen, die sich in unseren Gedanken und Gefühlen wiederspiegeln. 

Auch die Art und Weise, wie unsere Umgebung, z.B. der Partner, auf unser Schmerzverhalten reagiert, kann unser Schmerzerleben positiv oder negativ beeinflussen.

Wenn neben körperlichen Anteilen auch die seelischen und sozialen Aspekte frühzeitig in der Therapie berücksichtigt werden, können oft unnötige Operationen und unwirksame Medikamentengaben vermieden werden.

Risikofaktoren für eine Chronifizierung

  • Unzufriedenheit und Probleme am Arbeitsplatz
  • Negative Gefühle wie z.B. Angst, Ärger oder lang anhaltende Trauer
  • Aktuelle und frühere Stresserfahrungen
  • Gedanken/Überzeugungen wie: „diese Schmerzen machen mich noch verrückt“, „ was ich auch tue, ich kann doch nichts ändern“, „reiß dich zusammen, stell dich nicht so an“
  • Vermeiden von Aktivitäten oder extremes Durchhalten
  • Positive Folgen von Schmerzen: z.B. Entlastung von unangenehmen Pflichten

Chronische Schmerzen unterliegen immer körperlichen, psychischen und sozialen Einflüssen.

Schmerzerkrankungen und Beschwerden

  • Chronische Rückenschmerzen ( z.B. bei Bandscheibenproblemen, Arthrose der Wirbelsäule oder bei psychosozialer Belastung)
  • Schmerzen am Bewegungsapparat (Muskel- oder Gelenkschmerzen)
  • Schmerzen bei rheumatischen Erkrankungen
  • Kopf- und Gesichtsschmerzen (z.B. Migräne, Spannungs- oder Clusterkopfschmerzen)
  • Chronische Bauchschmerzen (z.B. bei Endometriose, M. Crohn, Verwachsungen)
  • Schmerzen an den Genitalorganen      
  • Neuropathische Schmerzen, Schmerzen bei Polyneuropathie
  • Postzosterneuralgie (Gürtelrose), Trigeminusneuralgie
  • Komplexes regionalen Schmerzsyndrom (CRPS, M. Sudeck)
  • Phantomschmerzen
  • Ganzkörperschmerzen
  • Fibromyalgiesyndrom
  • Somatoforme Schmerzstörungen
  • Schmerzen bei Depressionen
  • Stressinduzierte Schmerzzustände
  • Schmerzen nach traumatischen Erlebnissen
  • Medikamentenfehlgebrauch (Opioide, Benzodiazepine, andere Schmerzmittel)
  • Schmerzzustände bei langer Opiodeinnahme (opioidinduzierte Hyperalgesie)