Ursache für Inkontinenz: Beckenbodenschwäche

Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie baut Koloproktologie aus

Neben den proktologischen Standarderkrankungen wie thrombosierte Hämorrhoiden, Abszesse und Analfisteln gibt es komplexe Enddarm-Erkrankungen, die in einer spezialisierten Klinik behandelt werden sollten. Eine Beckenbodeninsuffizienz (Beckenbodenschwäche) und die damit verbundene Inkontinenz von Blase und Darm bedeuten meist das Aus für die Betroffenen am gesellschaftlichen Leben. Im neu gegründeten Beckenbodenzentrum der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Hospital zum Heiligen Geist werden koloproktologische Erkrankungen des gesamten Darms und vor allem des Enddarms behandelt. Da der Enddarm Teil des Beckenbodens ist, gehören Kontinenzschwächen ebenso zum Behandlungsspektrum wie andere Beckenbodenerkrankungen.

Die verschiedenen Formen der Beckenbodeninsuffizienz wie der Rektumprolaps (Mastdarmvorfall), das Outlet-Obstruktions-Syndrom (unvollständige Entleerung) und die Sigmoidozele (Dickdarmaussackung) bedürfen einer umfangreichen differenzierten Diagnostik, einer ausgeprägten Empathie der behandelnden Ärzte und einer besonderen Expertise der behandelnden Operateure. Die Symptome der Beckenbodeninsuffizienz können vielfältig sein: Vorfälle der Beckenbodenorgane, Harnblasen- und anale Inkontinenz, Obstipation (Verstopfung). Insbesondere die Unfähigkeit, den Abgang von Urin und von Stuhl zu kontrollieren, verursacht bei den Betroffenen große psychische Probleme.

Die Ursachen für eine Beckenbodeninsuffizienz mit der Folge einer Urin- und Stuhlinkontinenz sind überwiegend die Spätfolgen von Spontangeburten. Das Überdehnen des Beckenbodens, die Verletzungen der Schließmuskel bei der Geburt oder die Verletzung der Nervenversorgung im kleinen Becken während der Geburt kann zu Störungen der Haltefunktion für Harn und Stuhl führen. Das äußert sich in den verschiedenen Formen der Harn- und Stuhlinkontinenz, der Absenkung des muskulären Beckenbodens oder den verschiedenen Formen des Darmvorfalls, des Harnblasenvorfalls und des Scheiden- und Gebärmuttervorfalls. Diese krankhaften Folgeerscheinungen treten typischerweise erst Jahrzehnte nach der Geburt auf, sind aber durch diese bedingt.

Ein offener Umgang mit der Thematik ist ein Schritt in die richtige Richtung

Fast alle Patienten trauen sich nicht, offen darüber zu sprechen. Häufig wird nicht einmal der Hausarzt oder der Gynäkologe in die Problematik eingeweiht. Die Folge ist, dass sich die Betroffenen aus Schamgefühl immer weiter zurückziehen und häufig nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Dies ist der falsche Weg, denn dank der modernen Medizin und der verschiedenen Therapiemöglichkeiten lassen sich die Probleme heute deutlich verbessern oder sogar beseitigen. Durch die interdisziplinären Operationen zur Behandlung der verschiedenen Formen der Beckenbodeninsuffizienz wird vielen Patienten ermöglicht, wieder am alltäglichen gesellschaftlichen und sozialen Leben teilzunehmen. Diese erforderlichen Operationen werden in steigender Frequenz im Hospital zum Heiligen Geist durchgeführt.

Eine Reihe weiterer innovativer Operationsverfahren wurde in das Spektrum der koloproktologischen OP-Verfahren aufgenommen. Dazu gehören minimal invasive Hämorrhoiden-Operationen, unter anderem die schmerzfreie oder zumindest schmerzarme THD (dopplergesteuerte Transanalen-Hämorrhoiden-Dearterialisation), die Sakralnerven-Stimulation zur Behandlung der Inkontinenz, aber auch der Stuhlentleerungsstörung, „bulking agents“ bei Stuhlinkontinenz sowie die laparoskopische Resektions-Rektopexie bei Darmvorfällen und verschiedenen Formen von quälenden Stuhlentleerungsstörungen. Seit neuestem besteht auch die Möglichkeit endoskopisch nicht abtragbare große Polypen oder Frühkarzinome des Rektums mittels TEM (transanale endoskopische Mikrochirurgie) ohne Operation zu entfernen.

Beckenbodenzentrum
Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Chefärztin
Dr. med. Eun-Young Cho
Telefon: (069) 21 96-2430

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